Logo Wappen Demmin

www.demminarchiv.de

Schattenansicht Demmin
Schaltfläche zur Seite Ansichten der Stadt Schaltfläche zur Seite Geschichte Schaltfläche zur Seite Landkreis Schaltfläche zur Seite Eisenbahn und Kleinbahn Schaltfläche zur Seite Publikationen Schaltfläche zum Gästebuch
Sie befinden sich hier: Home - Eisenbahn - Schmarsower Bahngeschichte

Schmarsower Bahngeschichte

Fritz, wie er meist nur genannt wurde, war eng mit den Demminer Kleinbahnen verbunden, hat ihre Geschichte über viele Jahre begleitet, überlebte das berüchtigte Lager Fünfeichen und blieb seiner kleinen Bahn bis zum Schluss treu - Friedrich Kostbade aus Schmarsow. Seit dem Jahre 1904 war Fritz Bahnhofsvorsteher in Schmarsow und gleichzeitig Chef der Gleisbaurotte der Demminer Kleinbahnen Ost (DKBO).

Auch seine Frau war im "Bahngeschäft" tätig. Sie unterhielt im Bahnhof Schmarsow einen kleinen Laden für den Reisebedarf. Hier gab es Süßigkeiten und Rauchwaren aber auch Limonade und natürlich Bier aus der Demminer Bockbrauerei. Wenn Fritz dienstlich unterwegs war, führte Frau Kostbade nebenbei auch den Bahnbetrieb. Sie stellte Weichen und übernahm die telefonische Abmeldung der Züge. Auch Sohn Alfred war bis 1945 Bahnhofsmeister der Kleinbahn in Demmin.

Während des Zweiten Weltkrieges waren französische, belgische und holländische Kriegsgefangene in einer Baracke am Bahnhof untergebracht. Sie wurden Herrn Kostbade zugeteilt und waren für Gleisarbeiten zuständig. Durch seine eigenen Erfahrenen aus der Kriegsgefangenschaft in Frankreich während des Ersten Weltkrieges, ließ er den Gefangenen eine faire Behandlung zukommen. Das ersparte ihm ein ähnliches Schicksal wie dem Aufseher der russischen Gefangenen in Schmarsow, welche geprügelt und unmenschlich behandelt wurden. Dieser wurde auf der Stelle von russischen Soldaten erschossen. Durch seine NSDAP-Mitgliedschaft erteilte aber auch Herrn Kostbade ein schweres Los. Obwohl die Gefangenen für ihren Rottenführer sprachen, wurde er nach einer Vorsprache auf der Kommandantur in Jarmen festgenommen und im Straflager Fünfeichen und später in Buchenwald interniert.

Nach fünf Jahren kehrte er als gebrochener Mann nach Schmarsow zurück. Die anschließende Tätigkeit als Streckenläufer war sicher nicht standesgemäß aber wenigstens bahntreu und somit, wie er selber sagte, für ihn ein großes Glück.
(Nach einem Bericht von Jan Triphahn, Loitz) Fotos: Fam. Kostbade

Gleisbaurotte

Friedrich Kostbade (rechts) als Leiter einer Gleisbaurotte bei Arbeiten an der Demminer Hafenbahn. Ausschnitt eines Fotos von 1928.

Lok mit Milchkanne

Rangierarbeiten auf dem Gelände des Schmarsower Bahnhofs. Lokführer Lüder im Gespräch mit Ida Firke. Die Aufnahme entstand in den 1950er Jahren.

Lokführer im Garten

Auf dem Bild erkennt man im Hintergrund den Toilettenanbau. Vor 1945 diente er hauptsächlich den wartenden Reisenden, nach 1945 hatte er aber auch große Bedeutung für ankommende Personen. Die 600-mm Wagons hatten nämlich keine Toiletten an Bord und waren auch sonst recht einfach ausgestattet. Einmal im Jahr, nach dem ersten Frost, wurden die Gruben unter den Toiletten geleert und gereinigt. Der Frost wurde abgewartet, um den gröbsten Gestank zu vermeiden. Mit gräflicher Erlaubnis aus Kartlow durfte die Brühe gleich auf dem angrenzenden Acker verteilt werden. Lokführer Lüder bei der Gartenarbeit in den 1950er Jahren.

Schmarsow Bahnhof

Der Schmarsower Bahnhof war Knotenpunkt der Demminer Kleinbahnen Ost. Von hier fuhren die Züge in Richtung Jarmen, Treptow a. T. und Demmin. Aufnahme um 1920.